Scouting der Defense - der Schlüssel für erfolgreiches offensiv Play-Calling

Eine gute Spielvorbereitung beginnt nicht mit dem eigenen Playbook – sie beginnt mit dem Scouten des Gegners.

Aus Offense-Sicht also mit dem Scouting der gegnerischen Defense. Erfolgreiches Scouting bedeutet dabei, defensive Strukturen zu verstehen, Tendenzen zu erkennen und daraus einen klaren, realistischen offensiven Gameplan für das kommende Spiel abzuleiten.

Defense Scouting anhand von Filmanalyse

Der erste Schritt im Gegner-Scouting ist die systematische Filmanalyse - so auch beim Defense Scouting. Dabei geht es nicht nur darum, einzelne Spielzüge zu notieren, sondern Muster zu erkennen und anhand dieser Stärken und Schwächen herauszufiltern.

Folgende Fragestellungen können dabei helfen sich auf wichtige Punkte zu fokussieren:

• Welche Formationen spielt die Defense in welcher Situation?
• Wie reagiert die Defense auf bestimmte Offense Formationen?
• Was zeigt die Defense regelmäßig bzw. was wiederholt sich oft?
• Was erzwingt die Defense bzw. verteidigt sie besonders aufmerksam?
• Was lässt die Defense zu bzw. wo finden sich wiederholt offene Räume?
• Welche Coverages werden in verschiedenen Down-&-Distance-Situationen gespielt?
• Wo liegen Stärken und Schwächen einzelner Positionsgruppen?
• Gibt es herausragende Spieler, die man besonders beachten sollte?
• Welche meiner Spielzüge passen zu der Defense und zu meinen Spielern?

Anschließend werden diese Erkenntnisse nach Positionsgruppen aufgeschlüsselt. Defensive Line, Linebacker und Secondary haben oft unterschiedliche Verantwortlichkeiten und wiederkehrende Verhaltensweisen. Wer diese Details erkennt, kann gezielt Angriffsflächen identifizieren.

Ziel der Filmanalyse

Nicht einzelne Big Plays finden, sondern wiederkehrende Muster erkennen.

Scouting-Checkliste: Defense Tendenzen

• Base Front & Base Coverage
• Häufige Blitze und Stunts
• Anpassungen gegen verschiedene Personnel Groups
• Tempo & Substitutionsverhalten
• Kommunikation und Reaktionen nach Motion / Shifts

Analyse nach Positionsgruppen der Defense

Defense ist nicht homogen – Details entscheiden

Jede Positionsgruppe bringt eigene Stärken, Schwächen und Tendenzen mit. Diese gezielt zu analysieren, schafft Matchup-Vorteile.

Scouting-Checkliste: Defensive Line

• Gap-Disziplin vs. Run
• Pass Rush Lanes
• Reaktion auf Puller & Zone Runs
• Tendenzen bei 3rd Down

Scouting-Checkliste: Linebacker

• Run Fits & Overpursuit
• Coverage-Fähigkeiten (Man / Zone)
• Reaktion auf Play Action
• Blitz-Trigger und Keys

Scouting-Checkliste: Secondary

• Press vs. Off Coverage
• Safety-Rotation pre- / post-snap
• Augen-Disziplin
• Schwächen bei Double Moves

Situatives Scouting der Defense

Viele Spiele werden in speziellen Situationen entschieden

Defenses ändern oft ihr Verhalten abhängig von Down & Distance, Feldposition, Spielstand oder Spielzeit, etc. Diese Momente müssen vor dem Spiel erkannt und vorbereitet werden. Achte bei der Analyse auf das Verhalten der Defense in bestimmten Situationen, Feldpositionen oder Down-Groups.

Scouting-Checkliste: Situationen

• 1st Down Calls
• 3rd Down (kurz / mittel / lang)
• Red Zone & Goal Line
• 2-Minute-Defense
• Verhalten nach Big Plays

Gameplan Design durch Stärken- und Schwächen-Analyse

Auf Basis deiner Defense Analyse entsteht der Offense Gameplan für dein Team – also angepasst auf deine Spieler. Da du nun die Schwächen deines Gegners herausgefunden und analysiert hast, kannst du diese mit den Stärken deiner Spieler matchen. Finde passende Matchups, sodass 1 zu 1 Situationen entstehen, die zu deinen Gunsten ausfallen werden.

Wähle deine Spielzüge anhand der Schwachstellen und Angriffsflächen der Defense. Nicht jeder Spielzug aus dem Playbook gehört automatisch in den Plan. Was gegen einen Gegner funktioniert hat, muss nicht automatisch gegen die nächste Defense funktionieren. Entscheidend ist, welche Konzepte gegen genau diese Defense funktionieren und welche Stärken dein eigenes Team optimal ausspielen kann.

Ein Plan für DEIN Team und DEINE Spieler

Der beste Spielzug ist wertlos, wenn er nicht zu deinen Spielern passt. Ein guter Gameplan berücksichtigt:

• Skillsets der eigenen Spieler
• Verlässlichkeit unter Druck
• Wiederholbarkeit statt Komplexität

Gameplan-Checkliste

• Kernkonzepte vs. Base Defense
• Antworten auf Blitz & Pressure
• Ergänzungen für Adjustments
• Plays für kritische Situationen

Dein Call Sheet als Entscheidungswerkzeug

Ein Call Sheet ist keine Liste deiner Spielzüge – es ist ein Guide für schnelle, klare Entscheidungen.
Strukturire dein Call Sheet nach Down & Distance Gruppen, besonderen Ausgangssituationen (Feldpositionen) und spezielle Defense Looks und Formationen.
So kannst du in kritischen Situationen und unter Druck schnell auf zuverlässige und durchdachte Spielzüge zurückgreifen.
Wähle dir 10-15 Spielzüge als deine Butter & Brot Offense und übe diese unter der Woche besonders.
Notiere dir irgendwo eine kurze Zusammenfassung deiner Analyse und die Schwächen der Defense auf deinem Call Sheet als Erinnerungshilfe und lasse noch etwas Platz für weitere Notizen, die du dir evtl. im Spiel machen möchtest.

Call-Sheet-Checkliste

• Struktur nach Situationen
• Erste 10–15 Plays bewusst gewählt
• Antworten auf extreme Looks
• Reminder für defensive Schwächen
• Platz für In-Game-Notizen

Was kommt nach dem Defense Scouting und dem Gameplan Design?

Jetzt bist du zwar optimal für das Spiel vorbereitet aber die Jungs auf dem Platz müssen ebenfalls wissen was gespielt werden soll.
Je nachdem wie viel Zeit dir zur Verfügung steht, solltest du nun die Ergebnisse deiner Analyse in dein Training mit einfließen lassen.
Dies ist ein optimaler Zeitpunkt für Anpassungen und Änderungen bestehender Plays.
Wähle deine 10-15 Spielzüge und spiele sie bis zur Perfektion mit deiner Offense durch.
Simuliere kritische Situationen wie 2-Minute-Drills, Red Zone und Goal Line Situationen und gebe spezielle Down & Distance Situationen vor.
Teile der Defense mit wie sie im Training spielen muss, um die gegnerische Defense so gut wie möglich zu imitieren, die sogenannte "Scout Defense". Die Offense sollte im besten Fall alle erwartbaren Situationen und Spezialitäten der gegnerischen Defense bereits gesehen, damit sie nicht überrascht wird.
Es empfiehlt sich auch immer die Scouting- und Analyse-Daten in Form eines Scouting-Reports mit den Offense Spielerns und Coaches zu teilen. So erhalten alle die gleichen Informationen zum nächsten Gegner und bekommen ein Gefühl für den Plan, mit dem sie in Spiel geschickt werden.

Trainings-Checkliste:

• 10-15 Spielzüge spezialisieren
• Spielsituationen simulieren (2-Min-Drill, Goal Line, etc.)
• Offense vs. Scout Defense spielen
• Scouting-Report mit Spielern teilen

 

Fazit vom Defense Scouting

Wer strukturiert scoutet, reduziert Chaos am Spieltag, erhöht die Entscheidungsqualität und gibt seinen Spielern die beste Chance auf dem Platz erfolgreich zu sein!